Ägyptenreisen: Der Ramadan geht in seine letzte Runde und wir sind vor kurzem von der ITB Berlin zurückgekommen. Wieder einmal habe ich das Gefühl, zwischen zwei Welten hin- und herzupendeln. In beiden fühle ich mich zu Hause, sie ergänzen sich irgendwie.
Diesmal war der Flug sogar total pünktlich und unsere Koffer spuckte das Laufband direkt zu Beginn aus. Das war ein netter Willkommensgruß. Unser Fahrer wartete am Ausgang und wir konnten uns beruhigt aus dem hektischen Treiben am Flughafen zurückfallen lassen in ein bequemes Auto.
So quirlig die Atmosphäre hier ist – ich fühle mich geradezu geborgen im Lachen und Rufen der Menschen, im Hupen der Autos und dem geregelten Chaos.
Und wie schön, dass sich daran auch jetzt nichts ändert. Es ist alles wie immer und so soll es auch sein.
Ganz konkret sind wir noch erfüllt von vielen guten Gesprächen auf der Messe, aus denen hoffentlich Kooperationen werden. Es gilt auszuwerten, nachzuhalten und online in Kontakt zu bleiben.
Speziell die Fahrten mit unserer Dabuka Blue auf dem Nassersee und die Oasentour durch die westliche Wüste erfreuen sich großen Interesses. Wir werden sehen.
Aktuell sind wir jedoch erstmal mit einer Sondertour beschäftigt, die demnächst startet. Nur ein einzelner Reisender wird kommen, aber er wird als VIP eine besondere Ägyptenreise machen.
Seit Monaten sammeln wir seine Wünsche und setzen sie soweit wie möglich um. Es kommt ja oft auf die berühmten Kleinigkeiten an, die eine Tour zu einem Erfolg werden lassen.
„Das Restaurant „Khofu“ bei den Pyramiden ist am 25.3. ausgebucht“, ruft unsere Sekretärin aufgeregt. „Man kann sich nur noch auf die Warteliste setzen lassen“.
Offensichtlich boomt der Tourismus in Ägypten weiter – aller Unkenrufe wegen der Lage im Nahen Osten zum Trotz.
Wie so häufig dramatisiert die Berichterstattung in den Medien die Situation oft unnötig. Ich habe selbst gemerkt, wie schnell man sich verunsichern lässt.
So war ich sehr angespannt wegen der Tatsache, dass wir gerade angefangen hatten, einen neuen Traum zu verwirklichen. Nach langen Recherchen hatten wir schlussendlich in Dubai ein Auto gekauft, das nun auf die Reise nach Ägypten gehen soll.
Natürlich ist das im Moment nicht ganz einfach, aber zu meiner Freude schrieb mir gerade heute Morgen der dortige Verantwortliche:
„Natürlich arbeiten wir ganz normal. Die Medien stellen die Situation schlimmer dar, als sie ist.“
Na also, dachte ich. Man sollte sich wirklich nicht so schnell verrückt machen lassen.
Tatsächlich ist die Lage in der Region aktuell zwar nicht gut – aber Ägypten ist weit genug entfernt.
In den letzten Tagen erreichen uns immer wieder Fragen von Gästen und Partnern:
Wie wirkt sich die aktuelle Situation im Nahen Osten auf Ägypten aus?
Es ist verständlich, dass Nachrichten über Konflikte in der Region verunsichern. Gleichzeitig hilft es, einen Blick auf die geografischen Fakten zu werfen.
Konflikte im Persischen Golf oder rund um den Iran finden sehr weit entfernt von Ägypten statt. Die Entfernung von Kairo zu Städten wie Riyadh beträgt etwa 1.800 km, zu Abu Dhabi sogar über 3.000 km. Das entspricht mehreren Flugstunden und einer großen geografischen Distanz.
Natürlich liegt Ägypten näher an Israel und dem Gaza-Streifen. Gleichzeitig besteht zwischen Ägypten und Israel seit Jahrzehnten Frieden, basierend auf dem Egypt–Israel Peace Treaty.
Für Reisende wichtig: Die meisten Reiseziele im Land – wie Hurghada, Luxor oder Siwa – liegen weit entfernt von diesen Grenzregionen.
Und in Kairo boomt das GEM!
Manchmal habe ich das Gefühl, wie in einer Parallelwelt zu leben. Auf der einen Seite viele Horrormeldungen über Krieg und Verderben – auf der anderen Seite unser Alltag in Ägypten, der sich davon nicht beeinflussen lässt.
Ich freue mich schon auf unser nächstes Wochenende in der Wüste zu Ostern. Freunde (die teilweise in Amerika leben) haben es gebucht und uns bestätigt, dass sie natürlich auch kommen werden.
Unser Hauptproblem hier ist im Moment die Frage, ob wir es schaffen, die elektrische Schlafmaske, die ein Gruppenteilnehmer braucht, in der Wüste zum Einsatz zu bringen. Er braucht sie hauptsächlich deshalb, weil er wohl sehr stark schnarcht.
Die Lösung scheint in der Wüste auf der Hand zu liegen: Es gibt viel Platz, also stellen wir das Zelt am besten weit weg von den anderen auf.
Wie eingangs schon erwähnt, erleben wir außerdem gerade die letzten Tage des Ramadan.
Vergangenes Wochenende hatten wir Gäste bei uns zum Iftar. Unter anderen war auch eine junge Frau aus Russland dabei, die in Italien studiert und dort den Sohn einer ägyptischen Freundin kennengelernt hat und nun mit ihm verlobt ist. Reisen verbindet wirklich!
Im Übrigen genieße ich im Ramadan auch die ruhigen fünf Minuten bevor der Muezzin zum Gebet und Essen ruft. Ich habe unser Iftar vorbereitet, gehe hinaus in den Garten und erlebe die Stille und den Frieden dieses Augenblicks.
Die Straßen sind leergefegt, nur einzelne Nachzügler hasten rasch zu einem Ort, an dem auch sie ihr Fasten brechen können.
Eine Katze hüpft über den Zaun und geht ihren eigenen Geschäften nach, aus dem nahe gelegenen Restaurant riecht es nach Essen und man hört ein paar Vögel zwitschern.
Es erscheint so, als würde die Welt einen Moment den Atem anhalten, warten, bis der Ruf des Muezzin ertönt. Dieser beginnt bei uns erst von einer Moschee weiter weg, setzt sich dann fort, wird aufgenommen von anderen Moscheen und schwillt an wie eine Welle.
Für mich auch das Signal, unsere Ramadanbeleuchtung anzuschalten, die in unserem Garten blinkt und leuchtet. In diesem Jahr konnte man fast von der Weihnachtsdekoration direkt zu Ramadan übergehen.
Meine beiden Welten.
„Wir haben eine neue Anfrage“, meint unsere Mitarbeiterin, nachdem sie in die Emails geschaut hat.
Die große Solar Eclipse of August 2, 2027 sorgt schon länger für weltweites Interesse. Auch wir bieten Reisen zu diesem Spektakel an und freuen uns, dass Menschen die Angebote annehmen möchten.
Ausgerechnet in der heißesten Zeit hier ist es sicher eine Herausforderung – aber solche sind wir ja gewöhnt.
„Prima“, antworte ich der Mitarbeiterin also:
„Dann frage mal gleich, wie wir der möglichen Kundin am besten weiterhelfen können.“
Heute Abend sind wir zur Abwechslung zum Iftar eingeladen. In dieser Zeit ist es ja auch immer schön, in Gesellschaft zu sein.
Sicher werden wir auch wieder über Politik diskutieren. Das tun Ägypter gern und viel. Aber das wird uns nicht davon abhalten, das gute Essen zu genießen!