Safariboot Ägypten: Noch bevor ich richtig wach bin, vibriert der Motor unserer „Dabuka Blue“ durch meine Träume. Es ist sechs Uhr morgens, fast noch dunkel. Mit einem dampfenden Kaffee auf dem Deck erlebe ich, wie die Sonne blutrot am Horizont aufsteigt – ein neuer Tag beginnt.
Beim Vorbeifahren an einer kleinen Insel hören wir einen Ruf. Ein Mann winkt heftig. Kein Notfall – nur eine Medikamentenübergabe für unseren Bootsführer Yasser. So geht’s eben, wenn man die Gegend kennt.
Kurz darauf legt unser Boot am Westufer an, weit entfernt von jedem sichtbaren Ort. Von hier aus starten wir unsere Wanderung zu den Tempeln von Wadi Seboua. Als das Boot weiterzieht, fühle ich mich für einen Moment wirklich verlassen – zurück bleibt nur der Weg zu Fuß.
Die Wüste empfängt uns mit einer stillen Weite, die die Seele aufatmen lässt. Bald erreichen wir eine grüne Senke voller grasender Kühe und Ziegen – und ihre Hirten. Im Schatten trinken wir mit ihnen Gabbana, den kräftigen Beduinenkaffee. Ein kurzer Austausch zwischen Welten – voller Respekt und Neugier.
Die Wanderung führt weiter – durch Stille, durch Felder, entlang frischer Spuren einer Sandviper. Ich hüpfe später im Rhythmus der Saatrinnen, spüre Leichtigkeit und Energie. Die Tempel von Maharaqa erscheinen wie ein stiller Gruß aus der Vergangenheit.
Unser Boot erwartet uns mit wehenden Fahnen und einem frischen Saft. Ich denke an den gestrigen Abend: Die Sonne im See versunken, Beduinenmusik am Ufer, Trommelrhythmen, Tee auf offenem Feuer – ein Moment wie aus der Zeit gefallen.
Als die Leiter des Bootes hochgezogen wurde, fühlte ich mich wie ein Küken unter den Flügeln der Henne – geborgen. Und in dieser Nacht fehlte mir kein einziger Wunsch – auch ohne Sternschnuppe.
— Dorothee, Lake Nasser, 7. Mai 2025